Praxis für klassische Osteopathie

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Neben der konventionellen medizinischen Versorgung, welche durch Naturwissenschaft und Logik geprägt, aber dennoch in vielerlei Hinsicht nicht unproblematisch ist, existieren verschiedene Angebote der sogenannten alternativen Medizin. Einige dieser Ansätze basieren auf vernünftigen Überlegungen und stellen sinnvolle Ergänzungen und Erweiterungen der modernen medizinischen Versorgung dar. Andere sind im Hinblick auf medizin-ethisches Handeln hochgradig problematisch und grenzen, je nach Grad des Fanatismus ihrer Anwender, an Aberglaube und gefährliche Quacksalberei.


Einfühlungsvermögen und Intuition sind wichtige Aspekte ethischen Handelns – meiner Meinung nach insbesondere im Bereich der Medizin. Jedoch dürfen weder die Vernunft noch die gesicherten Erkenntnisse der naturwissenschaftlichen Forschung außer Acht gelassen werden. Der Konflikt zwischen einer streng wissenschaftlich ausgerichteten Medizin und einer esoterisch geprägten Alternativmedizin besteht auf der einen Seite in der emotionalen Kälte der Apparate- und Reparaturmedizin (Mensch gleich Maschine) und auf der anderen Seite in der oft übertriebenen Erhöhung des Menschlich-Geistigen, der Seele, welche zuletzt und aus Sicht vieler Alternativmediziner stets die Hauptverantwortung an der Gesundheit trägt (Mensch gleich spirituelles Wesen).


Eine Medizin, die den Anspruch ganzheitlicher Betrachtung hat, muss beiden Aspekten Rechnung tragen und dies in Diagnose und Therapie widerspiegeln. Die konventionelle Medizin tut dies, indem sie die Psychosomatik, also die Wechselwirkung zwischen geistig-emotionalen Prozessen und körperlichen Funktionen anerkennt und in ihre Therapiekonzepte integriert. Insbesondere im Bereich der Schmerzmedizin ist dies ein anerkanntes Vorgehen. Gute Ärzte und Therapeuten wissen überdies um die große Wirkung des therapeutischen Gespräches und der hohen Bedeutung einer wertschätzenden und ernstnehmenden Haltung gegenüber ihren Patienten.


In der humanbiologischen Forschung beweist die Existenz des jungen Fachgebietes der Psycho-Neuro-Endokrino-Immunologie (https://de.wikipedia.org/wiki/Psychoneuroimmunologie) das sich vertiefende Wissen über die Vernetztheit von geistigen und körperlichen Prozessen. Wissenschaftliche Medizin ist also ganzheitlich. Leider hapert es in der konventionellen medizinischen Praxis oft an deren Umsetzung, denn aufgrund zu hoher fachspezifischer Fokussierung werden systemische Zusammenhänge oft schlichtweg ausgeblendet. Dies ist zu einem großen Teil ein Problem des „Business“ Medizin und weniger dem praktizierenden Arzt anzulasten. Die gängige Praxis wird der menschlichen Natur jedenfalls oft nicht gerecht.


Auf der anderen Seite postuliert die Alternativmedizin (respektive Naturheilkunde) oft eine ganzheitliche Wirkung, die sie am Ende nachweislich nicht erbringt, denn ihre Methoden wirken oft nur über geistige, beziehungsweise psychologische, Effekte. Die hierdurch erzielten Wirkungen sind real und wertvoll, vermögen jedoch nur in begrenzter Weise nachhaltige Veränderungen zu ermöglichen. Da zudem über die Natur der verwendeten Heilmittel zumeist nicht aufgeklärt wird, was in der Regel schlicht daran liegt, dass deren Anwender einem Irrglauben anhängen, entsteht ein Zerrbild bezüglich der wahren Zusammenhänge. Der Patient kann so nicht mehr erkennen, was ihn krank macht und was er benötigt, um Gesundheit wieder zu erlangen. Dies ist insbesondere bezüglich vielerlei Angeboten der sogenannten Engergie- und Informationsmedizin problematisch, weil diese oft in einem technologischen Gewand erscheinen (z. B. in Form der sogenannten Bioresonanz-Therapie).


Durch die Neigung der konventionellen Medizin, Krankheitserscheinungen lediglich zu managen (zumeist ist es ein pharmakologisches Management) anstatt den Versuch einer echten Heilung zu unternehmen, finden wir zunehmend noch junge Menschen in chronischen Zuständen und in großer Abhängigkeit von ihren Fachärzten beziehungsweise von deren Medikation. Multiple Medikamentenabhängigkeit mit unkontrollierbaren Nebenwirkungen und oft schweren Komplikationen sind im Alter dann die Folge. Die Alternativmedizin trägt ihrerseits dazu bei, indem sie esoterische oder pseudowissenschaftliche Erklärungen vermittelt. Die Folge ist eine psychologische Abhängigkeit und Verschleppung ohne Verbesserung der tatsächlichen Pathomechanismen.


Ohne alles zu sehr schwarz malen zu wollen, denn es gibt viele großartige Ärzte und Therapeuten und wunderbare Heilungsgeschichten in beiden Lagern der Medizin, besteht die Schwierigkeit darin, im Dschungel der Heilkünste einen wahrhaftigen Weg für sich zu finden. Zumal niemand (ich auch nicht) die ultimative Wahrheit gefunden hat, beziehungsweise über das ultimative Heilmittel verfügt. Die Lösung ist immer individuell und kaum übertragbar. Woran können wir uns im Krankheitsfalle orientieren, um den richtigen Weg zu finden? Ich glaube: An der Vernunft.


Die großen Verdienste der konventionellen Medizin liegen eindeutig im Bereich der Akut- und Intensivmedizin. Das Stabilisieren lebensbedrohlicher Zustände, egal welcher Ursache, ist eine große Errungenschaft. Sie stellt die notwendige Zeit für Heilungsprozesse zur Verfügung. Im Falle chronischer und systemischer Krankheiten (z. B. Rheumatismus, Schilddrüsenstörungen, Bluthochdruck, etc.) sieht die Sache, wie oben bereits ausgeführt, anders aus. Eine ressourcenorientierte Therapie systemischer Zusammenhänge bietet hier große Chancen für die betroffenen Menschen.


Klassische Osteopathie basiert auf denselben humanbiologischen Grundwissenschaften wie die konventionelle moderne Medizin. Sie versteht Krankheit jedoch letztlich als das Unvermögen des Organismus eine Belastung adäquat ausgleichen beziehungsweise diese abbauen/verarbeiten zu können. Diese Belastung kann psychologischer, chemischer/immunologischer oder mechanischer Natur sein, wobei die Mechanik den Dreh- und Angelpunkt für den osteopathisch-therapeutischen Zugang darstellt. Das manuelle Lösen blockierter Gewebe und Gelenke, das Drainieren venöser und lymphatischer Stauungen, das Stimulieren der arteriellen Durchblutung sowie die direkte und indirekte Beeinflussung von Nervenfunktionen sind neben dem bewussten Umgang mit Körperkontakt und dessen emotionaler Wirkung vielfältige Möglichkeiten, immunologische, biochemische und zentralnervöse Wirkungen zu erzeugen, für deren Erklärung es keiner Esoterik bedarf. Dennoch erkennt die Osteopathie eine spirituelle Dimension des Menschseins an, denn einerseits ist der Mensch eine komplexe und mit den Mitteln der Wissenschaft erforschbare Maschine, andererseits jedoch eine Seele, ein subjektives Geschöpf, für das alles Erlebte eine intime und persönliche Bedeutung enthält. Kurz: Der Mensch ist eine beseelte Maschine, denn seine Konstruktion ist zum Leben erwacht und bis in jede Zelle empfindungsfähig.


Auf gute Gesundheit!

Nikolai Menzel